Der Begriff „heilsames Trio“ wurde von Clemens G. Arvay geprägt, der mit seinem Buch „Der Biophilia-Effekt: Heilung aus dem Wald“ (2016) das erste deutsche Buch über Waldmedizin veröffentlichte. In diesem Werk werden zahlreiche positive Effekte erörtert, die sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf Geist und Seele auswirken. In der vorliegenden Abhandlung werden zunächst die wichtigsten Auswirkungen auf den menschlichen Körper beleuchtet, wobei der Fokus auf dem heilsamen Trio liegt. Zu den relevanten Faktoren zählen die Terpene, die Anionen und die Mikroben. Bei einem Aufenthalt in einem Wald kommen wir mit einer Vielzahl von Stoffen in Berührung. In den von mir angebotenen Auszeiten zum Thema Waldbaden wird diese Tatsache bewusst genutzt. Beispielsweise wird im Rahmen einer Atemübung die Vorstellung angewendet, dass mit jeder Einatmung Terpene und Anionen aufgenommen werden.
Waldbaden ist Heilung in der Natur, in dem wir nichts tun!
In seinem Werk „Im Wald baden“ postuliert der Autor Jörg Meier, dass die Einatmung von Waldluft eine therapeutische Wirkung besitzt. Es soll im Folgenden erörtert werden, welche Ursachen der gesundheitsfördernden Wirkung der Waldatmosphäre zugrunde liegen. Es konnte beobachtet werden, dass Pflanzen und Bäume untereinander kommunizieren. Über Duftstoffe, sogenannte Phytonzide oder Terpene, erfolgt der Informationsaustausch, der dazu dient, Fressfeinde zu erkennen oder Abwehrstoffe gegen sie zu bilden. Bei hohen Temperaturen emittieren Nadelbäume Terpene, um sich gegen die Sonneneinstrahlung zu wappnen. Diese Eigenschaft manifestiert sich in Form eines blauen Schimmers, der insbesondere an warmen Sommertagen in der Umgebung von Bäumen häufig zu beobachten ist. Terpene stellen mit nahezu 40.000 Vertretern die größte Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe dar. Es konnte festgestellt werden, dass sie auch in ätherischen Ölen vorkommen. Es konnte zudem nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Stoff, der für den angenehmen Geruch des Waldes verantwortlich ist, um das zuvor erwähnte Element handelt. Beim Waldbaden kommt es zu einer Interaktion zwischen dem Menschen und den Terpenen. Das menschliche Immunsystem zeigt eine vergleichbare Reaktion, die mit der Steigerung der Abwehrkräfte einhergeht.
Waldluft ist Medizin zum Einatmen
Die Luftfeuchtigkeit in Wäldern ist im Allgemeinen signifikant höher als in urbanen Gebieten. Insbesondere nach Niederschlägen kann die erhöhte Luftfeuchtigkeit im Wald eine erfrischende Wirkung haben, die unmittelbar wahrnehmbar ist. Anionen, die den zweiten Teil des heilsamen Trios ausmachen, treten insbesondere in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit auf, wie etwa am Meer, in der Nähe von Wasserfällen oder in heimischen Wäldern. Bei einem Regenschauer entsteht eine elektrische Ladung, die durch die Reibung der Regentropfen an den Blättern entsteht, wenn der Regen durch das Blätterdach des Waldes fällt. Dabei erfolgt eine elektrische Aufladung der mit dem Wasser transportierten Sauerstoffteilchen. Das Blätterdach des Waldes fungiert als Retentionsraum, der die Niederschläge zurückhält und dazu beiträgt, dass die Pfützen auch nach dem letzten Regenschauer im Wald verbleiben. Beim Waldbaden erfolgt die Aufnahme dieser vitalisierenden Elemente mit jedem Atemzug. Dabei aktivieren sie die Flimmerhärchen in den Atemwegsorganen und sorgen so dafür, dass Fremdstoffe wie Feinstaub- und Rußpartikel, Umweltgifte und Pollen gelöst und mit der Ausatmung abgestoßen werden. Dies ermöglicht eine Entspannung der zuvor angespannten Situation.
Der Wald ist nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl, eine Präsenz, die uns mit Kraft und Frieden erfüllt
Die ersten beiden Elemente des heilsamen Trios befinden sich vorrangig in der Atmosphäre, während das dritte Element, die Mikroben, im Ökosystem Boden zu finden ist. Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass es sich bei den untersuchten Proben um Mikroben und Bodenbakterien handelt, die vor allem in gesunden, humusartigen Waldböden zu finden sind. Das bekannteste dieser Bakterien ist das sogenannte Mykobakterium vaccae, das eine pilzartige Form aufweist und daher auch als „Biophilia-Bakterium“ bezeichnet wird. Es konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden, dass regelmäßiger Kontakt mit Bodenbakterien die Bildung von Antikörpern stimuliert und auf diese Weise das menschliche Immunsystem stärkt. Darüber hinaus sind weitere gesundheitsfördernde Mikroben nicht nur im Boden, sondern auch auf Blättern, Moosen, Pilzen und an der Rinde von Bäumen zu finden. Bei Aufenthalt im Wald kommt es zum Kontakt mit diesen Mikroorganismen, welche z. B. durch Einatmen oder Berührung mit den Händen in den Organismus gelangen können.